Die Schneekönigin

Michael Schachermaier nach Hans Christian Andersen

Theater Freiburg, Premiere November 2022, ab 5 Jahren

Regie: Michael Schachermaier

Bühne: Karl Fehringer und Judith Leikauf

Kostüme: Susanne Bühler

Dramaturgie: Tamina Theiss

Musik: Malte Preuss

Mit: Julienne Pfeil, Jonas Dumke, Tima Alwindawe, u.a.

Badische Zeitung, 8.11.2022

"Die Schneekönigin" am Theater Freiburg ist eine Odyssee durch die Jahreszeiten

Die Schneekönigin" am Theater Freiburg und stellt die Frage: Was, wenn immer Winter wäre? Ein frostiges Familienstück mit viel Theaterzauber und Zirkusmagie.

Die Welt ist viel zu heiß. Was, wenn immer Winter wäre? Ewiges Eis – ganz still und friedlich, ohne Gewusel und Gefühle? Diese Frage packt Regisseur Michael Schachermaier ("Das kalte Herz", "Die kleine Seejungfrau") in ein turbulentes Abenteuer. Seine Adaption von Hans Christian Andersens Kunstmärchen "Die Schneekönigin" (1844) feierte jetzt mit viel Theaterzauber, mitreißendem Schauspiel und toller Live-Musik im Großen Haus des Theaters Freiburg Premiere.

Das Bühnenbild puzzelt sich immer neu zusammen

Die Nebelmaschinen laufen auf Hochtouren und produzieren frostiges Gestöber, blau-graue Holzgerüste bilden schräge Ebenen, den Bühnenprospekt füllt ein riesiges Karussell. "Jahrmarkt" und "Betreten verboten" steht da am rot-weißen Absperrband. Zauberhaft ist das Bühnenbild des Wiener Künstlerteams Karl Fehringer und Judith Leikauf, dessen Elemente sich im Laufe der rund 75-minütigen Inszenierung immer neu zusammen puzzeln und durch knallbunte Requisiten verwandeln. Doch jetzt ist erst mal eisiges Irgendwo – eine Art Götter-Prolog erzählt von der Liebe von Sonne und Mond, vom zerbrochenen Zauberspiegel und den Jahreszeiten-Geschwistern. Wer ihre vier Spiegelscherben wieder zusammenfügt, hat "uneingeschränkte Macht über das ganze Universum". Klingt gruselig und auch ein wenig rätselhaft ...

Gut, dass nun die kesse Flocke (Natalina Muggli) wie ein freundlicher Gnom um "Eure Eisigkeit" herum wuselt. Mit Turmperücke und elegantem Fellmantel (Kostüme: Su Bühler) wirkt die Schneekönigin (Julienne Pfeil) auch gar nicht böse, nur fremd und kühl. Poetisch ist ihr Lied vom Zauberwald, zu dem Hunderte von Flocken über die mitternachtsblaue Leinwand taumeln (Musik und Komposition: Malte Preuß). Die beiden Musiker Robert Pachali und Timo Stegmüller sitzen mit auf der Bühne und tragen lustige Hüte.

Kluge, alberne und trällernde Figuren mischen das Theaterstück auf

Dann flitzen mit viel Akrobatik und Slapstick endlich Gerda (Josephine Nahrstedt) und Kai (Jonas Dumke) in Rollschuhen über die Szene: Beste Freunde seit zwölf Jahren, sie Mathe-Freak, er Geschichtenerzähler, beide klug und genial, albern und witzig, mutig und versponnen.

Zack, schneidet sich Kai an der ersten Spiegelscherbe, ist nun im Bann der Schneekönigin und hat eine Mission: Begleitet von Spionin Flocke soll er die fehlenden Teile finden und zum Eispalast bringen – eine Odyssee durch die Jahreszeiten beginnt. Gerda weicht ihm zum Glück nicht von der Seite, auch wenn Kai ihr auf dieser Reise durchs Wunderland immer fremder wird: Ständig ist ihm kalt, ernst ist er und auch gemein. Das Licht wird rosiger, leuchtende Schirm-Blumen ploppen auf, Vera (Julienne Pfeil) trällert und gurrt voller Frühlingsgefühle, während ihr Mann Lenz mit der Frühjahrsmüdigkeit kämpft.

Spagat zwischen Kinderzimmerspiel und Zirkusmagie

Lustig sind diese beiden, genauso wie der coole August Sommer in seiner neon-orangenen Baywatch-Short auf dem Bademeister-Turm oder der aufbrausende Harvey Herbst mit seiner roten Sturmfrisur (alle: Tim Al-Windawe). Und Flocke? Ist immer dabei – verkleidet sich erst als Schneeglöckchen, dann als Eisverkäufer und mimt schließlich mit Riesenschwanz, Nagezähnen und Öhrchen-Perücke ein Eichhörnchen…

Spritzige Dialoge, Detaillust und viel Körperspiel (Choreografie: Graham Smith) halten dieses Stationen-Theater in Schwung, jede Szene hat einen stimmungsvollen Song und hält den Spagat zwischen Kinderzimmerspiel und Zirkusmagie. Denn unter den tollen Kostümen tragen alle Figuren hautenge, schwarz-weiß-gestreifte Jumpsuits. Ein fantasievolles Familienstück über Freundschaft, Mut und Hoffnung.

Badische Zeitung, Marion Klötzer, 8.11.2022

Alle Fotos (c) Rainer Muranyi