Momo
Theater der Jugend Wien
Premiere: Oktober 2015
Regie: Michael Schachermaier
Ausstattung: Jan Meier / Karoline Hogl
Dramaturgie: Wolfgang Türks
Mit: Shari Asha Crosson, Michael Schusser, Frank Engelhardt, Clemens Matzka, Stephan Rosenthal, Julia Edtmeier, Horst Eder, Emanuel Fellmer, u.a.
Wer ist dieses seltsame Mädchen, das im alten, verfallenen Amphitheater sitzt, vor sich hin lächelt und offensichtlich die beste Zuhörerin der Welt ist?
Warum fühlt man sich wie verwandelt, wenn man mit ihr gesprochen hat? Gescheiter, glücklicher, irgendwie gelöst? Wäre sie mit ihrem Lockenkopf und ihrem Lächeln nicht so unglaublich sympathisch, dann könnte einem fast unheimlich werden vor Freude, dass sie da ist.
Momo scheint vom Himmel gefallen zu sein, und alle Bewohner der kleinen namenlosen Stadt im Süden – Nino, der Wirt, seine Frau, Beppo Straßenkehrer, Gigi Fremdenführer und wie sie alle heißen – sind wie verwandelt, denn Momo schenkt ihnen Zeit.
Doch ein dunkler Schatten legt sich über die scheinbare Idylle. Graue Herren erscheinen plötzlich im Ort und beginnen den Menschen vorzurechnen, wieviel Zeit sie sparen könnten, wenn sie angeblich nutzlose Tätigkeiten ganz einfach aus ihrem Leben streichen. Immer gehetzter werden die Tage, es gibt weder Pausen noch Vergnügen. Besonders die Kinder leiden darunter, denn sie werden seit Neuestem in sogenannten Depots verwahrt, wo sie »Nützliches« für das Leben lernen sollen …
Nur das Geheimnis um Meister Hora, dem »Hüter der Zeit und der Stundenblumen«, kann diese freudlose Welt noch bannen. Wird es Momo gemeinsam mit ihrer neuen Gefährtin Kassiopeia gelingen, ihre Freunde vom Wahnsinn des Zeitsparens zu befreien?
Michael Endes vielfach ausgezeichneter Roman wirbt für die Kraft der Muße, die definitionsgemäß nichts anderes ist als die »Zeit, die eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann«. Dass wir dieser bereits verlustig gegangen sind, in einer »Wüste der Ordnung« leben, ortet Ende kritisch in unserem Geldsystem, mit dessen Problemen er sich zeitlebens auseinandergesetzt hat. Schon vor über 40 Jahren schrieb er: »In den alten Kulturstätten der Welt stand im Mittelpunkt der Tempel, die Kirche oder der Dom. Von dort ging die Ordnung des Lebens aus. Heute steht im Mittelpunkt jeder Großstadt das Bankgebäude.«
Alle Bilder (c) Rita Newman
„Regisseur Michael Schachermaier setzt die Bühnenfassung gekonnt um. Er konterkariert eine südländisch-gemütliche Dorfatmosphäre, in der die Bewohner zwar wenig Geld, aber Zeit im Überfluss haben, mit Szenen einer neokapitalistisch-effizient organisierten Arbeitswelt.“
„Die solide Inszenierung von Michael Schachermaier betont durch den Einsatz von Italo-Schlagern und allerhand “Ciao!” und “Benvenuto!” die in der Vorlage nur angedeutete Situierung des Geschehens in Italien. Das ist putzig, verstärkt zugleich aber auch den Kontrast zwischen dem sonnigen Dolce Vita zu Beginn und der von Neonlicht geprägten Leistungsoptimierungswelt der grauen Männer “
„Regisseur Michael Schachermaier führt die Produktion nun im Renaissancetheater in der Neubaugasse zum Erfolg. “